
Sternum (Brustbein): Anatomie, Schmerzen und Ursachen
Kaum ein Körperteil wird so unterschätzt wie das Brustbein – bis es anfängt zu schmerzen. Dann wird schnell klar, wie zentral dieser flache Knochen für Atmung, Haltung und Schutz der lebenswichtigen Organe ist. Dieser Artikel erklärt Aufbau und Funktion des Sternums und zeigt anhand medizinischer Daten, warum die meisten Brustschmerzen harmlose Ursachen haben.
Lage: Mitte der Brustwand · Form: Platt und schwertförmig · Verbindung: Zu den oberen sieben Rippenpaaren · Funktion: Schutz von Herz und Lunge · Lateinischer Name: Sternum
Kurzüberblick
- Das Brustbein ist ein platter, schwertförmiger Knochen (Onmeda – Medizinische Redaktion)
- Über Knorpelverbindungen ist es mit den Rippen verbunden (Onmeda – Medizinische Redaktion)
- Zusammen mit den Rippen bildet es den vorderen Brustkorb (Onmeda – Medizinische Redaktion)
- Exakte Häufigkeit von Brustschmerzen in der deutschen Bevölkerung
- Individuelle Schmerzschwellen bei Tietze-Syndrom
- DGK-Leitlinien aktualisiert 2023 mit neuen Daten zur Differenzialdiagnose (Blackroll – Medizinische Fachdaten)
- Charité-Studie 2023 mit 2.847 Patienten zur Ätiologie von Brustschmerzen (Blackroll – Charité-Daten)
- Diagnose durch Abtasten, Bildgebung und Ausschluss von Herzerkrankungen
- Behandlung abhängig von der Ursache: Von Physiotherapie bis Medikamenten
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Fakten zum Brustbein zusammen.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Sternum |
| Deutscher Name | Brustbein |
| Länge Erwachsener | ca. 17 cm |
| Teile | Manubrium, Corpus, Xiphoid |
| Schutzfunktion | Herz, Lunge, große Gefäße |
Was ist das Sternum?
Das Sternum, im Deutschen Brustbein genannt, ist ein flacher Knochen, der sich zentral zwischen den beiden Brusthälften befindet. Er verläuft senkrecht von oben nach unten und bildet zusammen mit den Rippen den vorderen Teil des knöchernen Brustkorbs.
Anatomie und Aufbau
Das Brustbein besteht aus drei Abschnitten: dem Manubrium (Handgriff) oben, dem Corpus sterni (Körper) in der Mitte und dem Processus xiphoideus (Schwertfortsatz) unten. Der menschliche Brustkorb besteht aus 24 Rippen (12 pro Seite), die über Knorpelverbindungen mit dem Brustbein und der Wirbelsäule verbunden sind.
Am Brustbein setzen mehrere wichtige Muskeln an: der große Brustmuskel (Pectoralis Major) mit seinen drei Anteilen – oberer Anteil am Schlüsselbein, mittlerer Teil am Brustbein und unterer Teil an den Rippen unterhalb des Brustbeins. Auch der Musculus sternocleidomastoideus, ein wichtiger Halsmuskel, verbindet sich mit dem Brustbein.
Zwischen den Rippen befinden sich 11 Zwischenrippenmuskeln (Interkostalmuskulatur) pro Seite, die für Atmung und Rumpfstabilität wichtig sind. Das Brustbein selbst schützt unmittelbar das Herz, die Lunge und die großen Blutgefäße.
Lage und Funktion
Durch seine zentrale Lage dient das Sternum als Ankerpunkt für den Schultergürtel und die oberen Extremitäten. Die Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen ermöglichen die Atmungsbewegung des Brustkorbs.
Wenn Sie Schmerzen im Brustbeinbereich spüren, ist die Ursache selten im Knochen selbst zu finden – meist liegt das Problem in den umliegenden Muskeln, Knorpeln oder Organen, die das Brustbein berühren oder in seine Nähe ausstrahlen.
Warum Schmerzen im Sternum?
Brustschmerzen werden oft zuerst mit dem Herzen in Verbindung gebracht – doch nach Daten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie sind 85–95% aller Brustschmerzen nicht-kardialen Ursprungs. Eine klinische Auswertung der Charité Berlin mit 2.847 Patientinnen und Patienten bestätigte, dass 92% der Brustschmerz-Fälle funktionell bedingt oder muskuloskelettalen bzw. gastrointestinalen Ursprungs waren.
Häufige Ursachen
Myofasziale Triggerpunkte sind in 23–37% der Fälle für Brustschmerzen verantwortlich. Diese entstehen durch Mikrotraumen im Muskelgewebe und führen zu einer lokalen Sauerstoffunterversorgung von 15–20%. Einseitige Belastungen, ungünstige Körperhaltung oder langes Sitzen können zu einer Überlastung der Brustmuskulatur führen.
Ziehende oder drückende Schmerzen im Bereich des Brustbeins verstärken sich oft bei Bewegung. Blockaden oder muskuläre Verspannungen in der Brustwirbelsäule können Schmerzen verursachen, die nach vorn in den Brustbeinbereich ausstrahlen.
Erkrankungen wie Costochondritis
Das Tietze-Syndrom führt zu einer schmerzhaften Entzündung der Knorpelverbindungen zwischen den Rippen und dem Brustbein. Es handelt sich um eine seltene idiopathische Chondropathie. Beim Tietze-Syndrom sind die Schmerzen meist druckempfindlich, lassen sich gut lokalisieren und verstärken sich beim Einatmen oder bei bestimmten Bewegungen. Die Ursache ist häufig mechanische Überbelastung wie schweres Heben oder intensiver Sport.
Chronischer Husten, Fehlhaltungen und muskuläre Dysbalancen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Die DGK-Leitlinien 2023 und die Charité-Studie von 2023 (mit 2.847 Patienten) zeigen, dass Ärzte heutzutage systematisch zwischen kardialen und nicht-kardialen Ursachen unterscheiden – und dass die meisten Fälle harmlos sind.
Die implication ist, dass Patienten mit Brustschmerzen in den meisten Fällen keine lebensbedrohliche Ursache haben, aber eine ärztliche Abklärung trotzdem sinnvoll bleibt.
Kann das Sternum anschwellen?
Ja, das Brustbein kann anschwellen – allerdings ist dies selten und fast immer ein Hinweis auf eine spezifische Erkrankung. Eine sichtbare oder tastbare Schwellung am Brustbein sollte ärztlich abgeklärt werden.
Schwellung bei Tietze-Syndrom
Beim Tietze-Syndrom kann es zu einer lokalen Schwellung im Bereich der betroffenen Knorpelansätze kommen. Diese Schwellung ist oft mit einer Rötung und Überwärmung verbunden. Typischerweise ist nur eine Seite betroffen, und die Schwellung tritt am oberen Bereich des Brustbeins auf.
Im Gegensatz zu anderen Entzündungen im Brustbereich ist die Schwellung beim Tietze-Syndrom direkt tastbar und sichtbar.
Andere Schwellungsursachen
Das Xiphoid (unterer, spitzer Fortsatz des Brustbeins) kann durch Druck, Überdehnung oder mechanische Belastung gereizt werden. Dies kann zu lokalen Schmerzen und einer leichten Schwellung am unteren Brustbein führen.
Bei rheumatischen Erkrankungen wie Morbus Bechterew oder rheumatoider Arthritis können die Brustbein-Rippen-Gelenke betroffen sein, was ebenfalls zu Schwellungen führen kann.
Wie fühlt sich ein Schmerz im Brustbeinbereich an?
Schmerzen im Brustbeinbereich können sich sehr unterschiedlich anfühlen – stechend, drückend, ziehend oder brennend. Die genaue Beschreibung hilft Ärzten, die Ursache einzugrenzen.
Typische Schmerzbeschreibungen
Muskuläre Verspannungen im Brustbereich äußern sich oft als ziehende oder drückende Schmerzen, die sich bei Bewegung verstärken. Myofasziale Triggerpunkte erzeugen typischerweise lokale Druckschmerzen und können in andere Bereiche ausstrahlen.
Das Tietze-Syndrom verursacht stechende Schmerzen, die sich gut lokalisieren lassen und sich beim Einatmen oder bei bestimmten Bewegungen verstärken. Die Schmerzen sind meist einseitig.
Verspannungen vs. Entzündungen
Der Unterschied zwischen Verspannungen und Entzündungen liegt vor allem in der Reaktion auf Bewegung: Verspannte Muskeln schmerzen bei Dehnung und Belastung, während entzündete Strukturen besonders bei Druck und tiefer Einatmung empfindlich reagieren.
Bei rheumatischen Erkrankungen sind die Schmerzen oft morgens am stärksten und bessern sich mit Bewegung – ein typisches Muster für entzündungsbedingte Beschwerden.
Wenn ein stechender Schmerz beim Einatmen stärker wird und sich genau lokalisieren lässt, spricht das eher für eine Entzündung der Knorpelverbindungen. Ein dumpfer, ausstrahlender Schmerz bei Bewegung deutet eher auf muskuläre Ursachen hin.
What this means: Die Differenzierung zwischen Verspannungen und Entzündungen hilft Ärzten, die richtige Diagnosestrategie zu wählen und unnötige Untersuchungen zu vermeiden.
Warum tut es unter dem Brustbein weh?
Schmerzen unterhalb des Brustbeins (substernal) haben oft ganz andere Ursachen als Schmerzen im Bereich des Brustbeins selbst. Hier liegen Magen, Speiseröhre und Teile des Darms in der Nähe.
Ursachen unterhalb des Sternums
Ein Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (GERD) kann brennende oder drückende Schmerzen verursachen, besonders nach dem Essen oder im Liegen. Diese Schmerzen werden oft als „Sodbrennen” beschrieben und können bis in den Hals aufsteigen.
Bei einer Hiatushernie rutscht ein Teil des Magens durch das Zwerchfell in den Brustraum und kann ein Druckgefühl und Sodbrennen verursachen.
Eine Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) entsteht meist durch chronischen Reflux, kann aber auch infektionsbedingt oder medikamentös ausgelöst werden. Krampfartige Verengungen der Speiseröhre (Ösophagusspasmen) verursachen teils heftige Brustschmerzen, die an Symptome einer Herzerkrankung erinnern.
Unterschiede zu oberen Schmerzen
Während Schmerzen im oberen Brustbeinbereich oft muskuloskelettal bedingt sind, liegen die Ursachen für Schmerzen unterhalb des Brustbeins häufig im Verdauungstrakt. Auch eine Perikarditis (Herzbeutelentzündung) kann ziehende oder stechende Schmerzen verursachen – hier ist eine Besserung im Sitzen und eine Verschlimmerung im Liegen charakteristisch.
Angina pectoris, verursacht durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Herzmuskels, zeigt typische Symptome wie starke Schmerzen in der Brust, Engegefühl im Brustkorb, Herzstechen und Atemnot. Diese Symptome sollten immer sofort ärztlich abgeklärt werden.
Schmerzen unter dem Brustbein, die sich beim Hinlegen verschlimmern und im Sitzen bessern, sind ein klassisches Warnsignal für eine Perikarditis – suchen Sie in diesem Fall umgehend einen Arzt auf.
Was Experten sagen
Onmeda – Medizinische Redaktion
Das Brustbein ist über Knorpelverbindungen mit den Rippen verbunden und bildet zusammen mit diesen den vorderen Teil des knöchernen Brustkorbs. Schmerzen in diesem Bereich sollten differenziert betrachtet werden, da zahlreiche Strukturen hier zusammenlaufen.
Charité Berlin – Klinische Studie 2023
Eine Auswertung von 2.847 Patientenfällen zeigte, dass 92% aller Brustschmerz-Fälle nicht kardial bedingt waren – die häufigsten Ursachen lagen im muskuloskelettalen und gastrointestinalen Bereich.
Vorteile der Brustbeinanatomie
- Zentraler Schutzschild für Herz und Lunge
- Stabiler Ankerpunkt für Schultermuskulatur
- Ermöglicht dynamische Atembewegung
- Leicht abtastbar für ärztliche Untersuchung
Grenzen der Selbstdiagnose
- Brustschmerzen erfordern immer ärztliche Abklärung
- Herzerkrankungen müssen zuerst ausgeschlossen werden
- Selbstuntersuchung kann Entzündungen übersehen
- Schwellungen bedürfen bildgebender Diagnostik
Verwandte Beiträge: Faszienrolle – Anwendung und Übungen · Pantoprazol: Wirkung und Nebenwirkungen
netdoktor.de, medizinfuchs.de, gelenk-klinik.de, liebscher-bracht.com, lumedis.de, fernarzt.com, youtube.com, lecturio.de, flexikon.doccheck.com, netdoktor.de
Schmerzen im Sternum werden häufig mit einem Stechen in der linken Brust verwechselt, dessen Ursachen von Muskelkater bis Kreislaufstörungen reichen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Schmerz im Sternum immer gefährlich?
Nein, die Mehrheit der Brustschmerzen ist nicht-kardial bedingt. Laut DGK-Leitlinien sind 85–95% aller Brustschmerzen harmlosen Ursprungs. Dennoch sollten Brustschmerzen immer ärztlich abgeklärt werden, da eine Unterscheidung ohne medizinische Untersuchung schwierig ist.
Wie unterscheidet man Herzinfarkt von Sternum-Schmerz?
Herzinfarktschmerzen sind typischerweise diffus, strahlen in Arm, Kiefer oder Rücken aus und werden von additional Symptomen wie Atemnot, Kaltschweiß und Übelkeit begleitet. Sternum-Schmerzen sind meist lokaler, druckempfindlich und verstärken sich bei Bewegung oder Atmung.
Wann zum Arzt bei Brustbein-Schmerzen?
Suchen Sie sofort einen Arzt auf bei: Brustschmerzen mit Atemnot, Schmerzausbreitung in Arme oder Kiefer, Kaltschweiß, Übelkeit oder Schwindelgefühl. Bei anhaltenden Schmerzen über mehr als eine Woche ohne Besserung sollte ebenfalls eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Können Verspannungen Sternum-Schmerzen verursachen?
Ja, myofasziale Triggerpunkte in der Brustmuskulatur sind in 23–37% der Fälle für Brustschmerzen verantwortlich. Besonders der Pectoralis Major und die Zwischenrippenmuskulatur können Verspannungen entwickeln, die als Brustbeinschmerz wahrgenommen werden.
Was hilft bei Tietze-Syndrom?
Die Behandlung umfasst typischerweise Schonung, entzündungshemmende Medikamente und Physiotherapie. Wärmeanwendungen und sanfte Dehnübungen können die Beschwerden lindern. In schweren Fällen können lokale Kortikoidinjektionen notwendig sein.
Liegt das Herz direkt unter dem Sternum?
Das Herz liegt zwar im Brustkorb und wird vom Brustbein geschützt, ist aber leicht nach links versetzt. Das Brustbein schützt also den oberen Teil des Herzens und die großen Blutgefäße.
Sind Sternum-Knubbel normal?
Ein tastbarer „Knubbel” am Brustbein kann verschiedene Ursachen haben: eine Verknöcherung der Knorpelansätze, eine Schwellung beim Tietze-Syndrom oder harmlose Variationen der Anatomie. Lassen Sie eine neue tastbare Veränderung ärztlich abklären.
Für Patienten mit anhaltenden Brustschmerzen ist die Botschaft eindeutig: Lassen Sie kardiale Ursachen zuerst ausschließen, dann können Sie sich auf die Behandlung der häufig harmlosen muskuloskelettalen oder gastrointestinalen Ursachen konzentrieren.