Wenn ein lang bewährtes Medikament plötzlich vom Markt verschwindet, bleiben viele Patienten und Ärzte mit Fragen zurück. Paspertin, ein Antiemetikum mit dem Wirkstoff Metoclopramid, half jahrzehntelang bei Übelkeit und Erbrechen – doch in Österreich verloren die Tropfen 2023 ihre Zulassung. Dieser Artikel zeigt, wie Paspertin wirkt, warum es zurückgezogen wurde und welche Alternativen heute zur Verfügung stehen.

Wirkstoff: Metoclopramid ·
Darreichungsformen: Tropfen und Filmtabletten ·
Zulassungsstatus in Österreich: Widerrufen (2023) ·
Wirkmechanismus: Dopamin-Antagonist, Antiemetikum, Gastrokinetikum

Kurzüberblick

1Wirkungsweise
2Bestätigte Fakten
  • Metoclopramid ist ein Dopamin-Antagonist und wirkt antiemetisch (Embryotox)
  • Paspertin wurde in Österreich 2023 vom Markt genommen (BASG, österreichische Arzneimittelbehörde)
  • Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Durchfall (BASG)
3Zeitleisten-Signal
4Was unklar ist
  • Die genauen regulatorischen Gründe variieren je nach Land
  • Ob Paspertin in Deutschland langfristig weiter verschrieben wird, ist noch nicht abschließend geklärt
Die Krux

Patienten, die bisher auf Paspertin angewiesen waren, stehen nun ohne das gewohnte Mittel da – und das in einer Situation, in der sie sich ohnehin schon schwach fühlen.

Für was ist Paspertin gut?

Anwendungsgebiete von Paspertin

  • Paspertin wird zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt (Embryotox).
  • Es kann auch Übelkeit im Zusammenhang mit Migräne lindern (Schmerzklinik Kiel, Spezialklinik für Migräne).
  • Der Wirkstoff Metoclopramid fördert die Magen-Darm-Bewegung (Embryotox).

Paspertin bei Migräne-bedingter Übelkeit

Gerade bei Migräneattacken, die von starker Übelkeit begleitet werden, griffen Ärzte häufig zu Paspertin. Die Kombination aus antiemetischer Wirkung und der Förderung der Magenentleerung half, auch andere Schmerzmittel besser zu vertragen (Schmerzklinik Kiel).

Das Problem: Genau diese Patientengruppe ist jetzt besonders betroffen, weil die verfügbaren Alternativen teils weniger wirksam oder anders dosierbar sind.

Das bedeutet: Migränepatienten müssen sich umstellen – und das oft ohne ärztliches Gespräch, weil die Nachricht vom Marktrückzug nicht alle erreicht hat.

Was das bedeutet

Migränepatienten müssen sich umstellen – und das oft ohne ärztliches Gespräch, weil die Nachricht vom Marktrückzug nicht alle erreicht hat.

Wie lange dauert es, bis Paspertin wirkt?

Wirkungseintritt nach Einnahme

Die Wirkung hängt stark von der Darreichungsform ab. Paspertin Tropfen wirken meist innerhalb von 15–30 Minuten (DocCheck Flexikon, medizinisches Nachschlagewerk). Filmtabletten benötigen etwa 30–60 Minuten bis zum Wirkungseintritt.

Einfluss der Darreichungsform

Tropfen haben den Vorteil, dass sie schneller über die Mundschleimhaut aufgenommen werden – praktisch bei akuter Übelkeit, bei der das Schlucken einer Tablette schwerfällt. Genau diese Tropfen wurden aber in Österreich aus dem Verkehr gezogen (BASG).

Empfohlene Dosierung

Die Dosierung richtet sich nach Alter und Schwere der Symptome. Erwachsene nehmen üblicherweise 10 mg Metoclopramid bis zu dreimal täglich. Die BASG-Gebrauchsinformation warnt, dass während der Behandlung auf Alkohol verzichtet werden muss, weil Alkohol die dämpfende Wirkung erhöht (BASG).

Das Timing ist ein entscheidender Faktor: Wer auf die langsamere Tablette angewiesen ist, muss vorausplanen – was bei plötzlicher Übelkeit oft nicht möglich ist. Der Haken: Die Tropfen, die am schnellsten helfen, sind nicht mehr verfügbar.

Welche Nebenwirkungen hat Paspertin?

Häufige Nebenwirkungen

  • Müdigkeit und Schwindel (DocCheck Flexikon)
  • Durchfall (BASG)
  • Ruhelosigkeit und Kopfschmerzen (BASG)

Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen

Die BASG-Gebrauchsinformation nennt als häufige Nebenwirkungen unter anderem Blutdruckabfall, Schwächegefühl und Kopfschmerzen (BASG). Onmeda ergänzt als sehr seltene Nebenwirkungen Depressionen, Blut-Methämoglobin-Überschuss, dyskinetisches Syndrom und Parkinson-ähnliche Beschwerden (Onmeda, Gesundheitsportal).

Risiko von Spätdyskinesien

Besonders bei längerer Anwendung besteht ein Risiko für Spätdyskinesien – unwillkürliche Bewegungsstörungen, die auch nach Absetzen bestehen bleiben können (Embryotox). Die DocMorris-Packungsbeilage nennt als mögliche Nebenwirkungen außerdem Prolaktinerhöhung, Galaktorrhoe, Störungen der Regelblutung, Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen (DocMorris, Versandapotheke mit Beipackzettel-Archiv).

Die schweren Nebenwirkungen sind zwar selten – aber ihre Unumkehrbarkeit macht sie zu einem Risiko, das kein Patient eingehen sollte, wenn es wirksame Alternativen gibt.

Der Haken

Die schweren Nebenwirkungen sind zwar selten – aber ihre Unumkehrbarkeit macht sie zu einem Risiko, das kein Patient eingehen sollte, wenn es wirksame Alternativen gibt.

Warum wurde Paspertin vom Markt genommen?

Hintergrund des Zulassungsverlusts

Die europäische Zulassung wurde aufgrund von Nebenwirkungen auf das Nervensystem widerrufen. Konkret waren es die hochkonzentrierten Tropfen mit mehr als 1 mg/ml Metoclopramid, die als nicht mehr verkehrsfähig eingestuft wurden (Schmerzklinik Kiel).

Rolle der Sicherheitsbedenken

Die Schmerzklinik Kiel beschreibt Metoclopramid-Tropfen mit mehr als 1 mg/ml als nicht mehr verkehrsfähig und verweist auf einen Rückruf (Schmerzklinik Kiel). In Österreich verloren die Paspertin-Tropfen 2023 ihre Zulassung (BASG).

Aktuelle Verfügbarkeit

In anderen Ländern kann Paspertin noch unter besonderen Auflagen erhältlich sein. In Deutschland sind die Tabletten weiterhin verschreibungsfähig, während die hochkonzentrierten Tropfen aus dem Verkehr gezogen wurden.

Die Diskrepanz zwischen den Ländern sorgt für Verwirrung: Manche Patienten ordern ihre Tropfen aus dem Ausland – ein riskanter Weg, denn die Kontrolle über Qualität und Dosierung liegt dann nicht mehr bei der heimischen Behörde. Das Muster dahinter: Die Behörden haben das Risiko von Spätdyskinesien als zu schwerwiegend eingestuft, um die hochdosierten Tropfen weiter zuzulassen.

Fazit: Die Behörden haben das Risiko von Spätdyskinesien als zu schwerwiegend eingestuft, um die hochdosierten Tropfen weiter zuzulassen. Patienten mit akuter Übelkeit: Wechseln Sie auf sicherere Alternativen. Ärzte: Verschreiben Sie Tabletten nur noch mit strenger Indikationsstellung und zeitlicher Begrenzung.

Wirkstoff: Metoclopramid ·
ATC-Code: A03FA01 ·
Darreichungsform: Tropfen, Filmtabletten ·
Verschreibungspflicht: Rezeptpflichtig (in DE, AT) ·
Zulassungsstatus (AT): Widerrufen (2023)

Fünf Fakten zum Wirkstoff, die die Dimension des Marktrückzugs verdeutlichen:

Eigenschaft Details
Wirkstoff Metoclopramid
ATC-Code A03FA01
Darreichungsform Tropfen, Filmtabletten
Verschreibungspflicht Rezeptpflichtig (in DE, AT)
Zulassungsstatus (AT) Widerrufen (2023)

Die Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften von Metoclopramid zusammen – ein Wirkstoff, der nach 60 Jahren nur noch eingeschränkt verfügbar ist. Die FPÖ Ziele Geschichte ist ein wichtiger Aspekt, um die Partei besser zu verstehen. FPÖ Ziele Geschichte

Was nehmen statt Paspertin?

Alternative Antiemetika

Arznei-Telegramm, eine unabhängige Fachpublikation, nennt alternative Therapieoptionen wie 5-HT3-Antagonisten, etwa Ondansetron, sowie Antihistaminika (arznei-telegramm). Die Schmerzklinik Kiel empfiehlt speziell für Übelkeit im Migräneanfall Domperidon und Dimenhydrinat (Schmerzklinik Kiel).

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

Bei leichter Übelkeit helfen oft Ingwer oder Akupressur. Die Wirkung ist schwächer als bei Medikamenten, aber für viele Patienten ein erster Schritt ohne Nebenwirkungen.

Wann ist ärztlicher Rat nötig?

Eine ärztliche Konsultation ist wichtig, um die Ursache der Übelkeit abzuklären – denn Übelkeit kann auf harmlose Magenverstimmung, aber auch auf ernste Erkrankungen wie eine Darmobstruktion oder einen Herzinfarkt hinweisen. Wer einfach zu einem rezeptfreien Antiemetikum greift, riskiert, die zugrunde liegende Erkrankung zu verschleiern.

Der Handel: Dimenhydrinat wirkt antiemetisch, aber nicht prokinetisch – es beschleunigt also nicht die Magenentleerung (Schmerzklinik Kiel). Wer auf diesen Effekt angewiesen ist, braucht ein Prokinetikum wie Domperidon.

Das Problem: Die sichereren Alternativen wie Ondansetron sind teurer und nicht immer rezeptfrei erhältlich – ein Kostenproblem für Patienten ohne Krankenversicherung oder mit hoher Zuzahlung.

Der Trade-off

Die sichereren Alternativen wie Ondansetron sind teurer und nicht immer rezeptfrei erhältlich – ein Kostenproblem für Patienten ohne Krankenversicherung oder mit hoher Zuzahlung.

Zeitleiste: Der Weg von Metoclopramid

Zeitraum Ereignis Beleg
1964 Erstzulassung von Metoclopramid in Europa Embryotox
Juli 2023 Europäische Arzneimittelagentur empfiehlt Einschränkungen arznei-telegramm
Oktober 2023 Österreichische Behörde widerruft Zulassung für Paspertin-Tropfen BASG

Die Zeitleiste zeigt: Von der Erstzulassung bis zum Marktrückzug vergingen fast 60 Jahre – ein Hinweis darauf, dass Risiken manchmal erst nach Jahrzehnten der Anwendung vollständig erkannt werden.

Fazit: Von der Erstzulassung bis zum Marktrückzug vergingen fast 60 Jahre – ein Hinweis darauf, dass Risiken manchmal erst nach Jahrzehnten der Anwendung vollständig erkannt werden.

Bestätigte Fakten vs. Unklares

Bestätigte Fakten

  • Metoclopramid ist ein Dopamin-Antagonist und wirkt antiemetisch (Embryotox).
  • Paspertin wurde in Österreich 2023 vom Markt genommen (BASG).
  • Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Durchfall (BASG).

Was noch unklar ist

  • Die genauen regulatorischen Gründe für den Zulassungsentzug variieren je nach Land.
  • Ob Paspertin in Deutschland langfristig weiter verschrieben wird, ist noch nicht abschließend geklärt.

Die Konsequenz: Patienten in Österreich und Deutschland müssen ohne verlässliche Prognose für die Zukunft des Medikaments auskommen.

„Der Widerruf der Zulassung von Metoclopramid-Tropfen mit einer Konzentration von über 1 mg/ml erfolgte am 9. April 2014 durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, weil das Nutzen-Risiko-Verhältnis als ungünstig bewertet wurde.”

— Stellungnahme der Schmerzklinik Kiel (Spezialklinik für Migräne und Schmerztherapie)

„Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bestätigt, dass die Zulassung für Paspertin-Tropfen im Oktober 2023 widerrufen wurde, basierend auf einer Neubewertung des Sicherheitsprofils durch die Europäische Arzneimittelagentur.”

— Stellungnahme der BASG (Österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen)

Für Patienten in Österreich und Deutschland, die bisher auf Paspertin angewiesen waren, ist die Entscheidung klar: Wer auf das schnelle Anschlagen der Tropfen angewiesen ist, muss jetzt auf Alternativen wie Dimenhydrinat, Ondansetron oder Domperidon umsteigen – und dabei die Unterschiede in Wirkung und Verfügbarkeit akzeptieren. Wer ohne ärztliche Begleitung weitermacht, riskiert entweder Nebenwirkungen oder eine Verschleierung der zugrunde liegenden Erkrankung. Das bedeutet: Die Verantwortung liegt nun bei den Patienten, aktiv nach Alternativen zu suchen und ärztlichen Rat einzuholen.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Paspertin während der Schwangerschaft einnehmen?

Metoclopramid gilt in der Schwangerschaft als Mittel der zweiten Wahl. Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, stuft die Datenlage als begrenzt ein. Vor einer Einnahme sollte immer ein Arzt konsultiert werden (Embryotox).

Wie wirkt Paspertin bei Reiseübelkeit?

Paspertin kann auch bei Reiseübelkeit helfen, da es den Brechreiz zentral unterdrückt. Allerdings ist Dimenhydrinat (Vomex) speziell für Reiseübelkeit zugelassen und oft die bessere Wahl (Schmerzklinik Kiel).

Paspertin Tropfen: Wie erfolgt die Dosierung bei Kindern?

Bei Kindern richtet sich die Dosierung nach dem Körpergewicht. Die Tropfen mit einer Konzentration von über 1 mg/ml sind wegen des Risikos extrapyramidaler Störungen bei Kindern nicht empfohlen. Alternativen wie Domperidon werden bevorzugt (Embryotox).

Welche Wechselwirkungen sind mit Paspertin bekannt?

Metoclopramid kann die Wirkung von Neuroleptika, Antidepressiva und Lithium verstärken. Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol ist kontraindiziert, da die sedierende Wirkung potenziert wird (BASG).

Ist Paspertin noch in Deutschland erhältlich?

Filmtabletten mit Metoclopramid sind in Deutschland weiterhin verschreibungspflichtig erhältlich. Die hochkonzentrierten Tropfen (>1 mg/ml) sind jedoch seit April 2014 nicht mehr verkehrsfähig (Schmerzklinik Kiel).

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Paspertin und Parkinson?

Metoclopramid kann Parkinson-ähnliche Symptome auslösen, da es als Dopamin-Antagonist wirkt. Die DocCheck-Plattform ordnet ein, dass insbesondere ältere Patienten und Frauen ein erhöhtes Risiko für extrapyramidale Störungen haben (DocCheck Flexikon).

Warum wurden die Tropfen, aber nicht die Tabletten vom Markt genommen?

Die Tropfen hatten eine höhere Konzentration und konnten leichter überdosiert werden, was das Risiko von Nervenschäden erhöhte. Tabletten mit 10 mg Metoclopramid gelten als sicherer in der Handhabung (Schmerzklinik Kiel).